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Inspiration V: Literatur, Bücher und co.

Es ist mal wieder Zeit für einen Inspirationspost. Nach Steampunk, Lolita, Handarbeiten und Freiheit lautet das heutige Motto Literatur. Ich bin sehr buchaffin, wie vielleicht einige wissen, und deswegen wurde es mal Zeit.
Hier also ein wenig Inspiration, literarisch thematisiert.

und zu guter Letzt… eins der Wahrsten Worte.

Sterne gucken.

Es ist 23:33 . Der Fernseher läuft, aber sonst ist es im Wohnzimmer ganz dunkel. Draußen liegt die Welt unter dem Deckmantel der Nacht, die Straßenlaternen spenden Licht, sonst ist alles dunkel und still.

Am Firmament stehen die Sterne; ich bin schlecht im Sternbilder erkennen, obwohl ich mich wahnsinnig für Astronomie interessiere. Mit fehlt auf dem Gebiet aber eben einfach das Wissen, und wie gesagt, im Sternbilder-Finden bin ich schlecht. Was ich finde ist der Northern Star, der Polarstern, aber der ist ja auch einfach zu finden. Wenn Planeten sichtbar sind finde ich auch die, aber wenn man die übersieht ist man ja auch ganz blind.

Und dann sitzt man da, auf der Fensterbank, egal ob draußen oder drinnen; oder auf dem Balkon, auf der Garage, auf dem Dach, wenn man die Möglichkeit hat, und starrt einfach in den Himmel. Sterne gucken ist beruhigend, und man kann sich ganz im Himmel verlieren und die Gedanken einfach schweifen lassen.
Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum ich nie wirklich in einer großen Stadt leben könnte, denke ich. Das Ablicht sorgt dafür, dass man die Sterne gar nicht wirklich sehen; hier auf dem Land ist das was ganz anderes. Wenn der Himmel klar ist, sehe ich Sterne, weil um mich herum gar nicht so viel Licht ist. Es ist eben ein Dorf.

Porträt – eine Uniaufgabe.

In der Uni gab es für einen Kurs die Aufgabe, ein Porträt zu schreiben – hier mein Ergebnis (das übrigens wahnsinnig gelobt wurde; keine Ahnung warum.)

Vielleicht sollte ich auch nochmal eine Triggerwarnung aussprechen.

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Geboren in Sydney, vor fast siebenundzwanzig Jahren, mitten im Australischen Winter. Ein Jahr später kamen seine Eltern nach Deutschland. Vier Jahre nach ihm wurde sein kleiner Bruder geboren. Ein relativ großes Haus im Außenbezirk einer kleinen Stadt, eine glückliche Kindheit auf dem Land. Wie gerne er sich daran erinnert, wie er mit seinem besten Freund über Weiden und durch den Wald lief. Wie sie den Nachbarn Kirschen aus dem Garten klauten, nachts dem Mysterium nachgingen ob man Kühe wirklich umschubsen kann… Nein, es funktioniert nicht. Die Rindviecher bleiben stehen, so sehr man auch an ihnen schubst. In den letzten Semesterferien hat er es nach einer durchzechten Nacht nochmal probiert. Keine Chance. Daran, dass er angetrunken war, kann es nicht gelegen haben, sagt er.
Er trinkt nur selten, mittlerweile. Früher war er öfters weg, trank mehr und häufiger. Nach der Trennung von seiner letzten Freundin und dem Wiedereinzug in seine alte WG hat er seinen Lebensstil geändert. Kaum noch Alkohol, kein Fleisch mehr; stellenweise lebt er vegan, aber er hasst es, für sich alleine kochen zu müssen. Seine drei Mitbewohner weigern sich, vegan zu kochen. Vegetarisch, das akzeptieren sie und das ist auch relativ einfach umzusetzen. Er kann es ihnen nicht übelnehmen, und das will er auch gar nicht. Sie ertragen ihn immerhin mit all seinen Macken, und das sind nicht wenige. Das fängt schon damit an, dass er morgens ewig im Bad braucht. Er ist ein wenig eitel, manchmal vielleicht auch ein wenig mehr, gibt es aber nicht immer zu. Nicht zu unrecht, vielleicht? Er sieht nicht schlecht aus, das kann man nicht leugnen. Groß, vielleicht ein bisschen zu schmal; die nordisch-blonden Haare sind immer ein wenig durcheinander, die hellblauen Augen stechen durch die schwarze Brille noch mehr hervor. Größter Störfaktor ist sein linker Arm, aber er macht sich nicht mehr die Mühe, die Striemen zu verstecken. Sie sind ein Teil von ihm, sagt er, genauso wie alles andere ein Teil von ihm ist. Sie erzählen eine Geschichte, seine Geschichte, wie sie heute immer noch passieren kann. Manchmal klingt er ein wenig arrogant, wenn er das sagt; im allgemeinen tendiert er dazu, schnell überheblich zu klingen, wenn ihm eine Sache einfach klar ist. Er ist hochintelligent, das weiß er so gut wie jeder andere, der einmal einen seiner „Ausbrüche“ miterlebt hat; nur dass er eben die Bestätigung besitzt. Schwarz auf weiß, ein Zettel, der in irgendeiner Schublade vergammelt und auf dem irgendeine Zahl steht, die ihm einen IQ von über 130 bescheinigt. Als würde ihm das weiterhelfen. Er hat sich immer gefragt, warum sich alle so sehr um die Hochbegabten bemühten; seinen Studienplatz bekam er immerhin nicht weil er ihnen diesen Zettel vorlegte, sondern weil sein Abi entsprechend ausgefallen war. Die Traumnote von 1,0 , die ihm zunächst relativ egal gewesen war. Er hatte erst eine Ausbildung abgeschlossen; drei Jahre Buchhandelslehre. Eine Alternative zur Medizin, denn er wusste nicht, ob er der psychischen Belastung gewachsen sein würde. Die Verantwortung auf seinen Schultern würde und wird schwer wiegen, und er war sich nie sicher ob er das aushalten wird, Zeit seines Lebens. Lieber eine Alternative offenhalten, einen Job, der ihm auch liegt, der aber…stressfreier ist.
Er kann gut mit Menschen; ein aufmerksamer Zuhörer, ruhig, herzlich noch dazu wahnsinnig empathisch. Eine Nebenerscheinung seiner Intelligenz, sagten die Ärzte. Er will es nicht als Nebenerscheinung sondern als ein kleines Geschenk sehen. Dass dieses Geschenk ihn systematisch kaputt machen könnte weiß er, aber wie denn abstellen? Man kann das Mitgefühl und die Gabe, sich in andere Menschen hinein zu fühlen nicht einfach abstreifen wie einen Mantel, den man an der Garderobe hängen lässt wenn man Spaß haben geht. Deswegen auch seine Unentschlossenheit gegenüber der Medizin. Die psychische Belastung ist enorm. Es sind die Gefühle der Menschen, ihre Angst, Unsicherheit, Verzweiflung, die ihn ängstigen. Das ist das, was ihn schon einmal mit sich zog. Vor etwas mehr als zehn Jahren fing das an, in seiner damaligen Beziehung, sagt er. Sie war der Auslöser für all das. Und keiner merkte es, zunächst. Er selbst wollte es sich nicht eingestehen. Er wollte nicht psychisch krank sein, nicht noch einen Stempel aufgedrückt bekommen. Hochintelligent und psychisch krank. Gebrandmarkt bis ans Lebensende.
Ein gewaltiger Druck in ihm, das Gefühl, explodieren zu müssen, zu wollen, und doch nicht zu können, sondern gefangen zu sein. Mit diesem Druck in sich selbst, von dem man sich nicht losreißen kann. Leuten bei ihren Problemen zuhören, wenn in einem selber der Krieg tobt. Zeitgleich aber mit niemandem drüber reden. Wie sollte man das denn auch sagen? „Ach übrigens, gut, dass wir drauf kommen, ich schneide mir in meiner Freizeit die Arme auf weil ich die laute Welt um mich herum nicht ertrage.“? Sein Vater, der ihm in so vielem ähnlich ist, war es schließlich, der die Schnitte entdeckte. Fein säuberlich, einer neben dem anderen, seinen kompletten linken Arm hoch. Vom Handgelenk bis hoch zur Schulter. Ordentlich aufgereiht, nur selten Ausbrecher dazwischen; sein klarer Kopf war auch in Momenten des Kontrollverlusts auf Ordnung bedacht gewesen.
Depressionen, sagten die Ärzte, und selbstverletzendes Verhalten. Seltenes Krankheitsbild, wie sie es nannten; getrennt häufig, zusammen selten. Medikamente, Therapie. Bis alles „wieder gut war“. Geheilt. Was heißt schon geheilt? Mit solchen Krankheiten ist man nie ganz geheilt. Er hat in dieser Zeit oft darüber nachgedacht, sich das Leben zu nehmen. Die Welt war zu laut für einen ruhigen Menschen wie ihn. Ausprobiert hat er es nie. Jeder spielt seine Rolle auf dieser Welt, und er fand ich einfach mit seiner ab.
Er wird bald sein Assistenzjahr anfangen. Die Schwestern und Ärzte mögen ihn. Er geht achtsam und geduldig mit allen um. Er weiß noch nicht, ob er wirklich als Arzt arbeiten kann. Wenn ja will er was mit Kindern machen. Falls ihm alles zu viel wird kann er zurück in die Buchhandlung, in der er seine Ausbildung machte. Er weiß noch nicht genau, wo es ihn hinziehen wird. Er weiß nur, dass er glücklich werden wird. Irgendwie.

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Sich episch fühlen leicht gemacht.

Der geneigte musikalisch-geprägte Leser wird das kennen: Wenn man die Stöpsel in den Ohren hat, hat das Leben automatisch einen eigenen Soundtrack.

Ich weiß nicht wie das bei euch ist, aber bei mir verändert das tatsächlich auch meinen Blick auf die Welt. Es gibt Musik, die einfach super zum Winter passt. Filmsoundtracks passen an sich immer, aber wie gesagt, sie verändern immer auch die Wahrnehmung.
Wenn ich mit dem Bus den Uniberg hochfahre und es läuft das “Blood Theme” aus Dexter, sobald der erste Campus in Sicht kommt, dann wirkt das ganz anders als mit “Concerning Hobbits” aus dem ersten Herrn der Ringe.

Was hat das jetzt mit “sich episch fühlen” zu tun? Ganz einfach.
Vor zwei Wochen, auf dem Weg zur ersten Vorlesung, war ich ein wenig zu spät. Als ich das Gebäude betrat lief der Imperial March an. Und ich sage euch… lange, leere Gänge vor Augen und der Imperial March auf den Ohren. Man fühlt sich automatisch wahnsinnig episch.

Kundengespräche #10

(Wuhu, Jubiläum! Dafür gibt es einen supersüßen Kinderspruch ^^)

Eine Mutter und ihre kleine Tochter (geschätzt 5 – 6) sitzen auf einer Lesecouch und gucken sich ein Was ist Was-Buch an. Folgender Dialog ergab sich:

Mutter: So, und da liegt die Mumie dann in ihrem Sarg.
Kleine: Mama…. warum ist Opa keine Mumie?
Mutter: Das macht man heute einfach nicht mehr..
Kleine: Aber… wie doof! Sonst hätten wir Opi einfach ausbuddeln und in die Kirche setzen können wenn ich mal heirate!

Kundengespräche #9

Ein kleines Mädchen und ihr Vater kaufen ein – zwei Taschenbücher für ihn, DVDs für die Kleine.

Zusammen kommt das auf ca. 70€ raus; die Kleine reagierte aber ganz souverän, in dem sie vor ihrem Papa stand, die Zahl las, ihren Vater anguckte und dann die Hände in die Hüften stemmte und das ganze nur mit einem “Aber Papa! Das wird Mama nicht gefallen!” kommentierte.

Neues Jahr, neues Glück.

Goodbye 2010, hello 2011.

Neues Jahr, neues Glück. Es wird denke ich mal besser als 2010 werden.

Gute Vorsätze gibt es einige. Weniger Fleisch essen, mehr Gemüse essen, allgemein gesünder leben. Mehr schreiben, im Blog so wie woanders, mich weiter bilden. Mehr Bücher lesen, mindestens eins pro Woche, und endlich mal meinen Arsch hochkriegen um was für die Uni zu tun.

2011 wird schon. Ein frohes neues Jahr euch allen. :-)

NaNoWriMo – Die Leseprobe

Okay, da es tatsächlich scheint als hätten ein, zwei Leute Interesse an einer Leseprobe soll es die auch für euch geben. Das Projekt ist noch titellos, entstand im Zuge des National Novel Writing Months und liegt momentan bei knappen 6000 Wörtern.
Das hier ist der direkte Anfang; zum einen muss ich wohl eine Triggerwarnung aussprechen; ich gehe nicht ins Detail, aber bei manchen Leuten sind schon Andeutungen zu viel (was nicht negativ konnotiert ist. Ich möchte nur vorwarnen. Also nochmal: ACHTUNG, TRIGGERWARNUNG!). Zum anderen ist dieser Ausschnitt komplett unkorrigiert und eine unüberarbeitete Rohfassung.
Wie immer… das Copyright liegt bei mir.

So viele Worte vorneweg…

Es ist wie immer. Wie immer und immer wieder, zigtausendmal durchgespielt, wie ein deja-vu, eine Zeitschleife, ein sich immer wiederholendes Muster. Etwas, das immer wiederkommt, kurz bleibt, wieder geht. In seinem Kopf leuchtet kurz der Vergleich mit Herpes auf. Ein bitteres Lachen, keinerlei Fröhlichkeit in der Stimme, nur die pure Verzweiflung, Angst, Unsicherheit. Hier, vor den Scherben seines Lebens, seines Seins, seiner Selbst steht er, steht und lacht und sinniert über den Vergleich mit Herpes, der auf der einen Seite so abwegig ist und dann doch wieder so passend, so treffend, so wahr. Wahrer als es vielleicht gewünscht ist.

Ein Tropfen im Waschbecken. Ein zweiter, dritter, vierter. Aus einem werden vier, werden zehn, werden ungezählte. Die Tropfen tropfen, es ist wie der Sekundenzeiger einer Uhr. Vielleicht kommt es sogar hin, denkt er kurz, doch dann verwirft er den Gedanken wieder. Die Spannung, die sich in seinem Kopf aufbaut und nicht weichen will entweicht, langsam, stetig. Mit jedem Tropfen tropfen Verzweiflung, Angst und die ohnmächtige Wut auf sich selbst und die Welt auf die weiße Keramik des Waschbeckens. Unaufhaltsam. Die Entspannung beginnt bei den Haarwurzeln, geht über die Mimik, die angespannten Schultern, den Rücken hinunter und durch die Brust, das Herz, lässt die schmalen Beine ein wenig zittern und verwurzelt die Füße doch fest im Boden. Eine warme Welle, ein sanftes Kribbeln, dass ihm angenehme Schauer über den Rücken laufen lässt. Tränen bahnen sich nicht mehr vereinzelt den Weg sondern bilden einen steten Fluss über diese Wangen, das Kinn, bis sie schließlich ebenfalls leise in das Waschbecken tropfen, wo sich alle Tropfen vermischen, durcheinanderwirbeln und schließlich alles mit sich nehmen, in die Tiefen dieser Welt. Alles weggespült, einfach so. Die Stimme im Hinterkopf schweigt, lehnt sich entspannt zurück und genießt das stete Kribbeln. Seine Knie zittern. Er weiß nicht ob durch jenes Kribbeln oder dadurch, dass sein Kreislauf schlapp macht. Vielleicht beides. Sein Kreislauf hat schon einmal versagt; das passiert, das ist der Lauf der Dinge. Vorsichtshalber hat er jedoch alles, woran er sich ernsthaft verletzen könnte, aus seinem Umkreis geräumt. Falls er fällt treffen lediglich schmale 75 Kilo auf die kalten Fliesen; ein paar blaue Flecken vielleicht, mehr wird er nicht davon tragen. Ein paar blaue Flecken, zwei Tage Schmerzen an der Stelle auf die er fiel. Im Austausch für einen ruhigen Geist, das Schweigen der Stimme in seinem Kopf und die Abwesenheit jeglichen Drucks ein durchaus fairer Tausch, wie er findet. Schmerzen vergehen von alleine, irgendwann sind sie einfach nicht mehr da, und manchmal merkt man es nicht mal. Dieser Druck, der unendliche Druck der sich in seinem Kopf entwickelt, auf den Körper ausbreitet und ihn schließlich zu einer tickenden Zeitbombe macht, der vergeht nicht von allein. Schmerzen sind ein fairer Tausch für die Ruhe in seinem Kopf.

Ein Durchatmen. Durch das gekippte Fenster strömt kalte Luft herein. Die Haare in seinem Nacken stellen sich auf, Gänsehaut auf Armen, Beinen und dem Rücken, mischt sich mit der vollkommenen Entspannung. Tropfen tropfen weiter, langsamer, nur noch vereinzelt. Ein undeutbares Lächeln auf den Lippen lehnt er den Rücken gegen die Wand, lässt sich daran heruntersinken, immer darauf achtend auf seine Hose statt auf den Boden zu tropfen. Niemand soll es wissen, und niemand außer ihm weiß es. Ein Gefühl, wie ein leichter Wind, in seinem Kopf erinnert ihn daran, dass es doch jemand weiß. „Du kannst dich eh nicht ausdrücken, es ist egal, ob du es weißt oder nicht. Ich habe hier die Kontrolle.“ Kontrolle. Wie rau seine Stimme klingt, wundert er sich, und wie leise er „Kontrolle“ sagt. Hat er die Kontrolle wirklich? Da sind wieder diese Zweifel, diese Zweifel die dafür sorgen werden, dass der Druck wiederkommt, sich wieder aufbaut. Die Wut kommt langsam hoch, er spürt es, versucht sie herunterzuschlucken, doch sie formiert sich nur warm in seiner Magengrube und sucht sich den Weg erneut. Die Muskeln und Sehnen in seinen Beinen gehorchen im nicht mehr, springen nahezu von alleine auf, und seine Welt färbt sich rot, so rot. Sein Gedächtnis schaltet sich aus, es ist die pure Wut, die dort agiert, die die Kontrolle übernommen hat und sich nun auslebt. Still auslebt, abgesehen vom gläsernen Klirren als seine blanke Faust die Spiegelfläche trifft. Zittern läuft durch seinen Körper, ein erneutes Durchatmen, dann ist dieser Druck für einen kurzen Moment wieder da, bis er das leise Platschen eines Tropfens hört. Sein Seufzen vermischt sich mit dem Tropfen, hallt von den Wänden wieder; ein Blick in die letzten, zerprungenen Überreste des Spiegels lässt ihn eine Augenbraue hochziehen. Groß, schmal gebaut, die hellblonden Haare sehen ein wenig nach Sturm aus. Er ist blass wie lange nicht mehr, die hellblauen Augen scheinen in den letzten Monaten jede Farbe verloren zu haben. Die Scherben des Spiegels sind wie das, was noch übrig ist von dem was er mal Leben nannte. Verstreut, glitzernd, doch die Kanten sind zu scharf, um sie in die Hand zu nehmen ohne sich zu verletzen.
Er wird den kaputten Spiegel erklären müssen. Jeder Gedanke an das was vergangen ist, was passiert ist, bringt nur den Druck und die Stimmen wieder. Er wird sich wieder tagelang im Bett verkriechen, die Rolladen herunterlassen und die Welt aussperren. In solchen Phasen ist das einzige Leben, was zu ihm durchdringt, sein eigener Atem, die besorgten Nachfragen seiner Mutter und die Anwesenheit des alten, graugetigerten Katers der sich neben ihm niederlässt und, wie in den letzten achtzehn Jahren, das tut, was er am besten kann: Einfach da sein. Es ist vermutlich nichtmal die Gabe, zu fühlen, dass der Mensch traurig ist, welche die Menschen ihren Haustieren nachsagen, sondern einfach die Freude über seine Gesellschaft und die Erlaubnis, sich von der Wolldecke am Fußende zu erheben und sich auf die weichere Bettdecke zu legen. Dass genau diese beiden, seine Mutter und sein Kater, es sind, die ihn am leben halten, zumindest in diesen Phasen, ahnt wohl niemand von ihnen.

Ein Schritt vom Waschbecken zurück, der nackte Fuß streift kurz über eine Scherbe die sich auf den Boden verirrte, die Tropfen versiegen, mit ihnen die Tränen. Zeit, aufzuräumen, das alles hier zu beseitigen, bevor sie etwas mitbekommt. Das Handtuch in dem er die Scherben sammelt bekommt hier und dort einige Flecken ab, denn egal wie vorsichtig er sie anpackt, manchmal erwischt eine der scharfen Kanten ein Stück rosige Haut. Nichts ernstes, nur oberflächliche Verletzungen, die ein wenig bluten, warum auch immer. Kein Druck mehr, sein Atem geht so ruhig wie er sich fühlt, und seine Hände haben längst aufgehört zu zittern. Wenn der Druck zu stark wird tun sie das immer.
Nicht darüber nachdenken, weitersammeln, schweigend. Den Moment alleine nutzen um alle Spuren zu beseitigen, alles zu entsorgen, runterzukommen. Die Scherben des Spiegels mit denen des Lebens gleichsetzen und alles wegschmeißen, einfach entsorgen, Deckel zu und nie wieder sehen. Wäre es so einfach.
Der Schlüssel wird im Schloss gedreht, die Tür öffnet sich mit einem leisen Klicken. Gleich wird sie seinen Namen rufen, nachfragen wie es ihm geht. Sie weiß von nichts. Die Phasen der gewollten Isolation schiebt sie auf das was war, doch von all dem hier ahnt sie nicht im geringsten was. Es ist zu ihrer beider besten, sagt er sich im Geiste.
Ein bisschen kaltes Wasser ins Gesicht, dann richtet er sich auf, fährt sich nochmal mit den Fingern durch die Haare. Sie wird denken er sei gerade erst aufges

tanden; sie lässt ihm alles durchgehen, schiebt es auf den Schock, die Situation, alles das was vor Monaten zerbrach und immernoch nicht wieder hergestellt ist. Die gottverdammte Zeit heilt eben doch bei weitem nicht alle Wunden, oder nur sehr langsam. Es wird noch Jahre dauern, das glauben sie beide, Jahre, bis alles wieder halbwegs normal sein wird, bis er alles soweit verarbeitet hat, den Anblick vergessen hat und wieder jede Nacht durchschläft anstatt von Albträumen aufzuwachen. Es hätte alles so gut sein können.

Ein erneuter Blick in den Spiegel, seine Augen treffen die seines Ebenbilds. Er sieht müde aus, erschöpft, mutlos. Wo vor einiger Zeit noch ein motivierter Student stand sieht ihn jetzt einfach nur ein müder, junger Mann an. Kein Zeichen des ehemaligen Erfolgs, der Lebensfreude, seines alten Wesens das tief in ihm schlummert. Tief in ihm, umgeben von jenen Schutzmechanismen die er sich aneignete. Ein erneutes durch-die-Haare-fahren, eher mechanisch als wirklich bewusst. Der Blick bleibt auf den roten Spuren hängen. Hände waschen, es wird schwer genug, den kaputten Spiegel glaubwürdig zu erklären, also nicht auch noch Blut an den Händen. Die Seife brennt ein wenig, aber er verzieht nur das Gesicht. Es wird sich wieder legen, und für einen Moment übertönt es alles andere.

Sein Name, gedämpft durch die Türen und die Tatsache, dass er im ersten Stockwerk ist. Ein letzter Blick zu seinem Spiegelbild, dann öffnet er die Tür. „Hier oben, ich komme runter“. Es ist Zeit, sich nichts anmerken zu lassen. Nocheinmal tief durchatmen, dann streicht er noch einmal über seine nackten Arme, zieht die Ärmel des Pullovers langsam bis zu den Handgelenken und tritt auf die erste Stufe.

wie immer… Feedback erwünscht :)

Das NaNoWriMo-Fazit

..oder: Wie ich mir vornahm, zu schreiben und erneut scheiterte.

Letzten Monat bloggte ich über den NaNoWriMo und die Tatsache, dass ich daran teilnahm.
Ich hatte erst geplant, euch über den aktuellen Wordcount hier auf dem Laufenden zu halten, da ich aber glaube, dass das relativ wenige (bis fast gar keine) die hier so lesen interessiert lies ich es bleiben. Es hätte vermutlich auch nicht so viel zu lesen gegeben; es gab den ein oder anderen verbalen Ausbruch, zum Teil auf twitter, zum Teil in ICQ, zum Teil auch einfach nur laut durchs Haus. Was es auch gab war eine Idee, die aus dem blanken runterschreiben des jetzt-Prologs entstand. Die erhofften 50.000 Wörter blieben leider aus. Mein Wordcount liegt bei unrühmlichen 6.000 Wörtern. Vielleicht auch nur 5.000 und ein paar kaputte. Es sind acht Seiten, Times New Roman, 12 Punkt. In einem Monat. 30 Tagen. Das ist nicht das angepeilte, definitiv nicht.
Woran das lag? Keine Ideen können es nicht gewesen sein. Es ist eher das fehlende Verbalisieren können von dem, was mir im Kopf rumspukt. Das ist eben manchmal so. Mit einer der Gründe, warum ich Dinge erst Korrekturlese, wenn ich wirklich fertig bin. Sonst ist hier eine Stelle nicht richtig, und da trifft es nicht den Punkt. Ich bin dann einfach nicht zufrieden. Daran kann es aber auch nicht gelegene haben, denn ich las während des NaNos nicht gegen. Kein bisschen.
Ich habe vermutlich schleifen lassen. Ich hätte an mehr WordWars teilnehmen sollen, mir selber höhere Tagesziele stecken sollen und ich hätte wohl auch konsequent schreiben müssen, auch wenn es mir selber manchmal auf den Keks ging, ich müde war und schlafen wollte. Was ich meistens tat.

Vorgestern las ich gegen. Und schrieb. Ich weiß nicht woran es liegt, aber wenn niemand sich mit Wordcounts überbietet (was ich übrigens nicht negativ finde!), schreibe ich. Entspannt, in meinem Tempo. Ich werde nächstes Jahr wieder beim NaNoWriMo mitmachen, das weiß ich, und ich ahne, dass es schiefgehen wird, aber dafür können die Wochen danach umso produktiver werden.

Mein Fazit:
Es ist Wahnsinn. Positiver Wahnsinn, aber Wahnsinn. Es macht Spaß, man hält sich selbst für irre. Aber das ist wohl das, was man da in Kauf nehmen muss.
Ich hatte schonmal überlegt, den Prolog als Leseprobe in die Welt zu packen. Um mir selber zu zeigen, dass dieser Wahnsinn gut ist. Aber ich bin mir beim besten Willen gerade nicht mehr sicher…

Die Songs des Monats – November

Dieses Mal bin ich früher dran – im Vergleich: Letzten Monat war es der 15., heute melde ich mich schon am ersten den Monats.

Und im Gepäck habe ich keine Geschenke, sondern nur Musik. In meinen Ohren gute, keine Ahnung wie das bei euch aussieht. Aber hört es euch doch einfach mal an (:

1. Helia – Alejandro (Lady Gaga Cover)

Ich geb euch hier extra die lange Version. Mit dem irgendwie nervigen Intro, aber trotzdem sehr lustig. Nicht davon zu sprechen, dass das Lied derbe cool ist. Ich mag Lady Gaga, und ich mag auch Alejandro, aber irgendwie ist mir diese Version hier (Metal-Screamo-Hardcore-whatever?) noch lieber. Ich entdecke die Richtung momentan wieder Stück für Stück für mich, und son bisschen draufgeknüppel und rumgebrülle ist da super. Außerdem ist der Übergang von Strophe zu Refrain klasse. Aach, ich mag es einfach.

2. Maybebop – Gummibaum

Seit ich es das erste Mal hörte DAS Weihnachtslied Nummer 1. Einige haben das tatsächlich schon in den falschen Hals bekommen. Aber ich meine… es ist doch wahr. Zu großen Teilen. Und das auf so eine Art zu machen, und die Leute dabei erstmal lachen zu lassen ist nicht falsch. Ich habe übrigens eine türkischstämmige Freundin die jedes Mal einen Lachkrampf bekommt. Vielleicht auch einfach weil sie den türkischen Textpart versteht…!? :D

3. James Horner – Climbing up Iknimaya (the path to heaven)

Der Avatar-Soundtrack. Jaja. Ich mag den Film, wenn es um die Bilder geht. Dass die Story einfach “Pocahontas” und vielleicht auch noch “Der mit dem Wolf tanzt” im Weltall ist wird wohl niemand bestreiten. Der Soundtrack ist allerdings auch wirklich groß. Sehr episch, sehr… native-inspiritert. Ich mag die Sounds, und James Horner ist jemand, dessen Musik ich wirklich mag. So auch das hier, glaub ich mein liebstes Lied von diesem Soundtrack. Weil es einfach wirklich schön ist. So sollte Filmmusik öfters sein.

4. Subway to Sally – Wenn Engel hassen

Oah. Ja. Also… lange nicht mehr gehört. Subway to Sally sind auch gar nicht auf meinem Album (Außer Nord Nord Ost. Aber auch das hörte ich ewig nicht mehr.) Es begleitete mich aber im letzten Monat durch den NaNoWriMo, mehr dazu im entsprechenden Beitrag, weil ich es zufällig entdeckte und dann bekam ich es nicht mehr aus dem Kopf. Plus dass es ein wenig ins Projekt was ich angehen wollte einfloss. Daher also auch bei den “Liedern des Monats”.

5. Samsas Traum – Sisyphos

Oh ja, das a.Ura-Album von Samsas Traum. Find ich ja sowieso ziemlich gut. Überraschenderweise ist Sisyphos das Lied, was ich mit am wenigsten mochte. Ich hörte es aber auch nie ganz, was sich letztens auf einer Zugfahrt änderte. Was folgte war der “oh mein gott, welches gute Lied ist das?”-Moment, direkt danach ein “aha”-Moment und jetzt steht es hier. Berechtigterweise. Ich mag die Platte. Der Synthie-Sound ist wirklich irgendwie cool, und teilweise merkt man dem Orchester auch einfach nicht an, dass es eigentlich ein Keyboard ist. Weil es zwischendrin auch immer mal wieder sowas hier gibt.